Randulins - emigrants / Emigration
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Culmaina da Sent
Senter Giebel

Pasticceria "Sandri"
a Perugia

Carla Schucani

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Was den Besuchern des Dorfes immer wieder in die Augen fällt, sind die verschiedenen Baustile der Häuser, die das Dorfbild prägen. Neben dem alten Engadinerhaus finden sich hier eine ganze Anzahl anderer Bauten, die fremden Einfluss verraten: die klassizistischen Palazzi, die stattlichen Häuser mit dem Senter Giebel. Diese sind grösstenteils von Emigranten erstellt worden: Engadiner Geschäftsleute, Cafétiers und Zuckerbäcker, die in der Fremde ihr Geld verdienten und für ihre alten Tage einen Ruhesitz in der Heimat schaffen wollten.
Sent verdankt seinen Aufschwung Ende des 18. und während des 19. Jahrhunderts dem Einfluss der Fremde, namentlich des Nachbarlandes Italien. Schon 1603, also noch vor dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges, schlossen die Bündner einen Allianzvertrag mit der Republik Venetien ab. Als 1630 in Venedig die Pest ausbrach und einen Drittel der Bevölkerung dahinraffte, waren Arbeitskräfte aus dem benachbarten Graubünden sehr willkommen. 1706 wurde der Freunschaftsvertrag erneuert. In der Folge genossen die Bündner in der Lagunenstadt grosse Privilegien. Das Handwerk der Zuckerbäcker lernten sie vor Ort in den bereits bestehenden Konditoreien. So waren 1704 von 104 Zuckerbäckerläden 95 in Händen von Bündnern, 43 betrieben sie selbst, 52 weitere hatten sie vermietet. Von den ca. 100 Branntweinverkäufern waren im Jahre 1733 75 Bündner.

1762 verhinderte die Salis-Partei unter Führung von Ulysses von Salis-Marschlins eine Erneuerung der alten Freundschaft mit Venetien, ohne Rücksicht auf die ökonomischen Interessen der Tausenden von Landsleuten zu nehmen, die in der Lagunenrepublik niedergelassen waren. So kam es zum Bruch. 1766 vertrieb die damals blühende Adriastadt die Bündner Gewerbetreibenden, darunter auch viele Senter Bürger. Von der Stadt Venedig allein wurden 145 Brandweinverkäufer und Cafétiers, 203 Zuckerbäcker, 214 Schuster, 35 Messerfabrikanten und 18 Milchverkäufer samt Arbeitern und Lehrlingen vertrieben. Diese wandten sich nach den naheliegenden Zentren Triest, Fiume, Laibach (Lijubliana) und Ragusa (Dubrovnic), die Senter hauptsächlich nach der Toscana, wo sie eigene Kaffeehäuser, Zuckerbäckereien und Lebensmittelgeschäfte gründeten.

Um 1800 entstanden in Florenz, aber auch in Livorno, Pisa, Siena, La Spezia, Ancona, Perugia und verschiedenen anderen Städten Mittelitaliens regelrechte Senter Kolonien mit immer neuem Zuzug aus der Heimat.

Am Ende des 18. Jahrhunderts waren 190 erwachsene Personen aus Sent in der Fremde, das waren immerhin etwa 1/5 der ganzen Senter Bevölkerung. Etliche unter den Emigrierten kamen hier zu Vermögen und Ansehen, viele andere wurden krank und fanden dort ein frühes Grab. Die Verbindung zur Heimat wurde aber nie abgebrochen. Die rätoromanische Lyrik dieser Zeit ist unter dem Einfluss der Emigration auch als Heimwehdichtung bekannt.

Heute sind die meisten Geschäfte in die Hand von Italienern gelangt, und die dort noch verbliebenen Senter verbringen nur mehr im Sommer einige Wochen in ihren von den Vorfahrern geerbten Häusern in Sent. Das sind die Randulins (Schwalben).

Eine der wenigen Konditoreien, die von Bündnern gegründet wurde und heute immer noch in Bündner Händen ist, ist die "Pasticceria Sandri" in Perugia. Die Schweizer Herkunft der Gründer kommt durch das Kaffeegeschirr mit dem Schweizerkreuz zum Tragen.

Am 14. August 2008 wurde in Sent ein neuer Verein gegründet, der die Interessen der Randulins wahrnimmt:

Società Randulins Sent - Associazione dei Randulins Sent