Plasch Zonder - Blasius Alexander
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Deutscher Text

Text rumantsch

Nat: 20 favrer 1590 a Sent
Mort: 23 december 1622 a Puntina

Plasch Zonder (Blasius Alexander) es üna fich marcanta persunalità da seis temp: ün protestant da persvasiun, ün patriot paschiunà e curaschus, ün hom fich intelligiaint. Vita ed operiusità da Plasch Zonder sun inclegiantaivlas be sco früt da seis temp, da la Guerra da trent‘ons e dals Scumpigls Grischuns.
Gimnasi da Cuoira, stüdi da teologia a Turich e Basilea ed a Paris. Finischa ils stüdis dal 1615 e vain tut sü illa sinoda grischuna. Amo quel on surpiglia el sco rimplazzant la pravenda da seis cumün patria Sent. Dal 1616 va'l in Vuclina, a Berbenn, ingio ch‘el fa cugnuschentscha cun sia duonna. Ingaschamaint cunter il parti austriac-spagnöl a las drettüras da Bravuogn e Tusan. Pro‘l mordraretsch da Vuclina d‘eira‘l per cas davent, uschè ch‘el es restà salv, ma d‘eira fich schmiss da la crudeltà dals Vuclinas-chs. Cur cha sia patria vain inuondada da truppas estras dà'l man la spada e va incunter als Austriacs. Als 20 favrer 1621 piglia‘l part insembel cun Georg Jenatsch al mordraretsch da Pompejus Planta. Intanta es gnü Baldirun cun sias truppas in Grischun e‘ls protestants stuvaivan mütschar sch‘els nu laivan schnejar lur cretta. Plasch Zonder d‘eira a Tavo, es mütschà cun seis amis Jenatsch, Toutsch e Vulpius tras la Tumgias-cha, vers la Surselva per passar il Panix giò Glaruna. El vain tut in fermanza dals Austriacs e da Rudolf Planta chi pretenda ch‘el schneja sia cretta. El vain manà a Puntina e panià, ma el resta ferm. Duos dis avant Nadal da l‘on 1622 vain el manà al lö da suplizi. I til taglian giò il man dret e lura vain el decapità.

vair eir istorgia

Deutscher Text

siehe auch Geschichte

Reformierter Pfarrer
Geboren am 20. Februar 1590 in Sent
Gestorben am 23. Dezember 1622 in Innsbruck.

Blasius Alexander stammte aus Sent, wo er im Jahre 1590 als Sohn des Landwirtes Balthasar Alexander geboren wurde. Sein Vater erkannte schon bald die wachen geistigen Kräfte des Sohnes und schickte ihn auf die Lateinschule in Chur. Er bemühte sich anschliessend um ein Stipendium der Unterengadiner Gemeinde Ramosch, um in Zürich studieren zu können. Er besuchte die Universitäten Basel und 1614 auch die Sorbonne in Paris. Im Juni 1615 stellte er sich auf der Synode in Scuol der Prüfung zur Aufnahme in die evangelisch-rätischen Synode. Noch im gleichen Jahr übernahm er vertretungsweise die Pfarrstelle in seiner Heimatgemeinde Sent. 1616 zog er ins Veltlin in die Gemeinde Teglio. Als Pfarrer in den italienischsprachigen Untertanengebieten Graubündens gehörte er zu einer Gruppe von radikalen reformierten Pfarrern, die auch mit politischen Mitteln versuchten, die Rechte der kleinen reformierten Minderheitengemeinden in den Untertanengebieten zu sichern und den Hispanismus in Graubünden zu bekämpfen. So war er auch am Thusner Strafgericht von 1618 beteiligt, in dem der alte katholische Erzpriester von Sondrio, Niccolo Rusca, auf der Folter starb. Im gleichen Jahr verheiratete er sich mit Magdalena Catanea, einem jungen Mädchen. Damit handelte er sich zahlreiche Feinde ein, die ihn bekämpften. Die spanische Partei versuchte ihn 1619 vor ein Strafgericht in Chur zu ziehen, allerdings erschien Alexander nicht. Er wurde für "vogelfrei" erklärt und als "Dieb, Blutschänder, Kindesverderber und Landesverräter" verurteilt. Vorübergehend geriet er selbst in den Verdacht des Hispanismus, konnte sich aber auf dem Strafgericht in Davos erfolgreich dagegen wehren. Er fühlte sich, wie andere reformierte Pfarrer in den Untertanengebieten, nicht sicher und hatte damit wohl recht. Bei dem ausbrechenden Aufstand in den Untertanenlanden, die mit der Ermordung des grössten Teils der Protestanten in den Untertanengebieten, dem sogenannten "Veltlinermord" begann, konnte er sich durch die Flucht retten. Kurz danach befand er sich in seiner Engadiner Heimat, wo er eine kleine Truppe von 300 Mann aufstellte, die die Heimat gegen österreichische Übergriffe verteidigen sollten. Nachdem dieses Vorhaben misslang, beteiligte er sich an dem Zug von Berner und Zürcher Hilfsregimentern nach Tirano, wo diese jedoch eine militärische Niederlage erlitten. Er sah in dem einflussreichen Pompejus Planta den Hauptfeind der Prädikanten und fasste mit Georg Jenatsch und anderen Sympathisanten den Entschluss, Planta zu ermorden. Nach dessen Ermordung auf dem Schloss Rieberg widmete er sich zusammen mit Georg Jenatsch der Vertreibung der Truppen der katholischen Eidgenossenschaft, die den katholischen Bündnern zur Hilfe gekommen waren. Im Jahre 1621 wurde Graubünden von Österreichern und Spanien von drei Seiten aus angegriffen. Die Spanier rückten nach Chiavenna und die Österreicher in das Münstertal und Oberengadin, sowie in den Prättigau ein. Es gelang den Österreichern sehr schnell weite Teile des Landes zu erobern und Alexander sah sich mit anderen reformierten Pfarrern gezwungen, die Flucht aus Graubünden zu ergreifen. Sie versuchten über die verschneiten Pässe Glarus zu erreichen, was aber misslang, weil Blasius von katholischen Bauern aus dem Dorf Ruis bereits auf Glarner Gebiet eingeholt wurde. Nach einigen Verhandlungen lieferten sie ihn gegen Belohnung an den österreichischen Oberbefehlshaber Baldiron aus, und er wurde zuerst nach Disentis gebracht. Nach einiger Zeit wurde er in das Gefängnis nach Innsbruck verlegt, wo drei andere reformierte Bündner ebenfalls gefangengehalten wurden: die beiden Pfarrer Johannes à Porta und Caspar Alexius, sowie der Hauptmann Jakob Ruinelli. Mehrere Gesandtschaften bemühten sich um ihre Freilassung, die aber nicht erfolgte. Erst nachdem der Churer Bischof sich in dieser Angelegenheit ebenfalls nach Innsbruck wandte, wurde ihre Situation in der Gefangenschaft verbessert. Bischof und Domkapitel übernahmen auch Garantien für die Gefangenen. Im November 1622 kamen die anderen drei Gefangenen frei. Alexander wollten die Österreicher jedoch nicht freigeben. Er hatte einfach zu viele Feinde und möglicherweise hatte der Bruder des ermordeten Pompejus Planta, Rudolf, auf die Österreicher eingewirkt, damit sie Alexander nicht freigaben. Auch die Bürgschaft von Bischof und Domkapitel in Chur, die den friedlichen Abzug der österreichischen Truppen gegen die Freiheit der vier Gefangenen in Innsbruck sichern sollte, konnte bei ihm nichts mehr bewirken. Im Dezember 1622 wurde ihm das Todesurteil verkündigt und am 23. Dezember wurde er in Innsbruck hingerichtet.

text rumantsch