Werner Schmidt
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Der Künstler Werner Schmidt ist in Berlin geboren, wo er zu beginn der 60er Jahre ein Studium der Malerei an der Hochschule für Bildende Künste absolvierte.

Während eines Arbeitsaufenthaltes 1963 - 65 in Paris kam es zur Begegnung und Freundschaft mit Alberto Giacometti, die nicht nur prägend für seine künstlerische Arbeit sein sollte sondern auch den Grundstein für seine Beziehung zur Bergwelt legte.

Als  Hommage an Alberto Giacometti entstand 1987 „Bergell vis à vis“, ein Portfolio mit 30 Lithographien (Steindrucken) und einem Text von John Berger.

Nach einem längeren Arbeitsaufenthalt in Zürich übersiedelte Werner Schmidt 1991 in die Schweiz.

Für die Bergwelt des Bergells und des Unterengadins entwickelte Schmidt eine spezielle Affinität. Als bleibenden Beitrag realisierte er anlässlich der Kulturaktion “Grenzüberschreitung – oltre confine“, 1993 in Castasegna und Chiavenna, sein ortsbezogenes Projekt “è l'aqua scorre” in der Maira.

Seit 2000 lebt und arbeitet Werner Schmidt im Zürcher Oberland und in Sent.
Ein zentrales Anliegen seiner künstlerischen Praxis wie auch seiner Lehrtätigkeit, ist das ständige Einüben in Demut und Staunen vor den Schöpfungen der Natur und den Zeugnissen menschlichen Geistes, um zu einem wahrhaftigen „Wahr-nehmen“ zu gelangen. Werner Schmidt ist Mitgründer der Fondation Lascaux.

Webseite: www.wernerschmidt-artist.com

Seine Werke werden regelmässig in Ausstellungen gezeigt und sind national und international in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten.

Im Herbst 2008 zeigt der „Kunstraum Riss & die Gallaria Punt“ in Samedan „Aurora –Farben am Rande der Erde“.

Im Februar 2009 zeigt er in der Grotta da cultura erstmals seine „Herzen für Sent“

Acht Herzen für Sent

Text zur Ausstellung in der Grotta da cultura

Von München kommend nahm ich den Weg durch das Inntal. Vorbei an Innsbruck, den Inn mal zur Rechten mal zur Linken, ging es der österreichisch-schweizerischen Grenze zu. Mein Ziel war das Bergell, dass mir Alberto Giacometti in seinem letzten Lebensjahr oft mit lebhaften Gesten geschildert hatte und das mir seitdem so bildhaft vor Augen stand.

Viel zu spät von München aufgebrochen, dunkelte es bereits bei Martina ein, und da sich bei Finstermünz ein wildes Gebirgstal ankündigte, wollte ich dem weiteren Verlauf des Inns bei Tageslicht folgen. Noch eine kurze Wegstrecke, dann das verheissungsvolle Schildchen „Sent“. Ich nahm es als Zeichen die Reise für diesen Tag zu beenden. So nächtigte ich erstmals im Hotel Rezia. Das liegt nun mehr als drei Jahrzehnte zurück. Und dieser Nacht sollten noch einige folgen.

Schon der erste abendliche Rundgang durchs Dorf blieb mir unvergesslich. Das warme Licht der spärlichen Laternen tauchte die eigenartig barocken Häuser in einen magischen Schein — Häuser, die ich nirgends zuvor gesehen hatte, deren matt-rotes Leuchten in den Fenstern mich in die weit entfernten Kindertage zurück versetzte. Auch kam mir das Städtchen Murnau in den Sinn — Murnau, wie es die Malergruppe des Blauen Reiter um 1910 gesehen hat. Wie dieses Städtchen schien mir das nächtliche Sent, mit seinen eng aneinander liegenden Giebeln und leise sprudelnden Brunnen, ein Ort zu sein, an dem ein rastloser Geist seiner inneren Stimme lauschen könnte um vielleicht zu erfahren, was ihm — in aller Welt — sein Herz sagen möchte. Diese nächtlichen Gedanken hielten auch dem blauen Licht des nächsten Tages stand und so ist Sent seit vielen Jahren zu einer „Herzinsel“ für mich geworden.

Die Reise damals wurde fortgesetzt, den Inn aufwärts St. Moritz entgegen. Die Bergflanken wichen allmählich zurück, das Tal wurde eben. Noch einmal stieg die Strasse an, vorbei an grünblauen Seen, darüber ein mächtiger Gipfelhorizont kopfüber verdoppelt in blanken Wasserspiegeln. Grandios dieser Anblick — aber so genau ich auch hinsah, ein zweites Sent habe ich nicht entdeckt. Und das Bergell — wo? Der Weg schien hier zu Ende auch das Licht verblasste. Ein breiter Riegel schob sich über das Tal — Maloja am Rande des Lichts? Jäh stürzte der Weg hinab ins Halbdunkel von Albertos langen Schatten und der Himmel mit ihm.

Werner Schmidt, Sent 2008

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