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Angelika Overath
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Angelika Overath, Dr. phil, wurde am 17. Juli 1957 in Karlsruhe geboren. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Italianistik in Tübingen und promovierte 1986 mit einer Arbeit über das Blau in der modernen Lyrik. Sie arbeitet als Reporterin, Literaturkritikerin, Essayistin. Von ihr sind mehrere Bücher mit Reportagen und Essays erschienen. Ihre Arbeiten wurden mit verschiedenen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Egon-Erwin-Kisch-Preis für literarische Reportage (1996) und dem Ernst-Willner-Preis beim Ingeborg-Bachmann Wettbewerb (2006).

Angelika Overath gewinnt mit "Fliessendes Land" zusammen mit David Bauer den ersten Preis für unabhängigen Journalismus in der Kategorie der "unveröffentlichten Arbeiten und neuen journalistischen Formen".

Mit ihrem Roman "Flughafenfische" wurde sie für den "Schweizer Buchpreis 2009" nominiert.
Siehe unten: Rezensiun in der NZZ.

Neuestes Buch, erschienen 2014:
"Sie dreht sich um"

http://www.suedostschweiz.ch/kultur/angelika-overath-praesentiert-ihr-neues-buch

Premi grischun da litteratura 2015

Angelika Overath lebt seit 2007 mit ihrer Familie in Sent. Auch ihr Mann Manfred Koch ist als Publizist und Schriftsteller tätig. Schon mehrmals haben sie in der Grotta da cultura oder anderswo bei Lesungen mitgewirkt und so das kulturelle Leben der Gemeinde bereichert.

Einige Werke:

  • Genies und ihre Geheimnisse. Band 2: 100 neue biographische Rätsel. (Mit Manfred Koch und Silvia Overath)
  • Flughafenfische "Alle Farben des Schnees" Senter Tagebuch
  • Fliessendes Land Tafelrunde. Schriftsteller kochen für ihre Freunde (Mit Manfred Koch und Silvia Overath)
  • Genies und ihre Geheimnisse. Band 2: 100 neue biographische Rätsel. (Mit Manfred Koch und Silvia Overath)

Am 4. Januar 2011 hat Ageliika Overath in Sent ihr neues Buch vorgestellt. Die Lesung war ein Riesenerfolg. Sehr viele Einheimische und Gäste konnten in einem bis auf den letzten Platz besetzten Gemeindesaal ihre Vorlesungen geniessen.

 

 

 

Aus Deutschlandradio Kultur, Radiofeuilton: Kritik

Wenn der Ferienort zur Heimat wird
Angelika Overath: "Alle Farben des Schnees"
Luchterhand Verlag, München 2010, 255 Seiten

Lange weiß man nicht, was man mit diesem Büchlein in Händen hält: ein schlicht erzähltes Tagebuch, ein Protokoll von Wetterumschwüngen oder eine Dorfchronik aus den Schweizer Bergen? Und doch ist man vom ersten Moment an gefangen.

Denn die Geschichte, die ihm zugrunde liegt, verbindet das Banale und das Exotische auf eine Weise, die sofort neu-gierig macht. Die Journalistin und Autorin Angelika Overath, 1957 in Karls-ruhe geboren, ist vor drei Jahren mit Mann und jüngstem Sohn (zwei ältere Kinder sind bereits erwachsen) in ein kleines Dorf im Unterengadin gezogen. Zuvor hatte die Familie es nur als Ferienort gekannt. Warum macht man so etwas? Und was erlebt man dann?

Der Auslöser war denkbar schlicht, die Lebensentscheidung ergab sich, wie das manchmal vorkommt, beiläufig. Das Paar hatte nach einer Erb-schaft ein altes Bauernhaus zur Ferienwohnung umgebaut. Als der Um-bau fertig war, sagte sie: "Wir könnten auch hierher ziehen." Und er antwortete: "Ja, das können wir machen." Zum Erstaunen der Freunde haben sie einfach getan, wovon andere nur träumen. Sie haben den Ferienort zur Heimat gemacht. Die Wohnung in Tübingen haben sie auf-gelöst, um mit Sack und Pack nach Sent zu ziehen, einer Tausend-Seelen-Gemeinde hoch über dem Inn, 1450 Meter über dem Meer, nah an der Grenze zu Österreich und Italien.

Das Tagebuch beginnt am 1. September 2009 und umfasst ein Jahr. Wir lernen die Topografie des Ortes kennen: neugotische Kirche, Grund-schule, schmale Gassen. Den Kulturverein, die Wiesen und lichten Lärchenwälder, die sanften Kühe, das erlegte Wild. Den Rhythmus der Jahreszeiten mit extrem kurzen Sommern und lange bleibendem und manchmal selbst im Juni zurückkehrendem Schnee. Die zahllosen Enziane, "wie hingeschüttet" in ihrem Blau, den schnellen Licht- und Wetterwechsel.

Und wir lernen vor allem die Bewohner kennen, an denen uns nicht nur die Namen verblüffen, die meistens rätoromanischen Ursprungs sind. Es wimmelt von alleinerziehenden Müttern, pendelnden Kindern und Ehe-partnern, von Patchwork-Familien und Kosmopoliten, die nicht nur in Sent zuhause sind, sondern auf der ganzen Welt - wie der Künstler Not Vital, mit dem die Autorin in regem Mailkontakt steht.

Es ist das Faszinosum dieses ungewöhnlichen Tagebuchs, dass es uns in einer anschaulichen, atmosphärisch starken und zugleich ausgesprochen schlichten Sprache vorführt, wie weit die Globalisierung vorangeschritten ist: bis in die hintersten Winkel der Schweizer Berge. Die Bewunderung für den Mut der Autorin wird nicht geschmälert, wenn man erkennt, dass auch sie nicht ausschließlich an ihrem neuen Wohnort lebt. Oft ist sie auf Reisen, bei Festivals und auf Lesungen in Norddeutschland oder in der Schweiz, in Österreich oder Prag. Regelmäßig lehrt sie an der Journalistenschule in Luzern, den Spätsommer verbringt sie mit Mann und Sohn in Vermont, wo die Autorin und der Germanist Seminare geben.

"Alle Farben des Schnees" ist das heitere Pendant zu Angelika Overaths letztem Roman "Flughafenfische", der von einer Handvoll Figuren erzählt, die im anonymen Transitraum eines internationalen Flughafens stranden. Hier im Bergdorf kennt man einander. Ein unprätentiöses, anregendes Buch, das manchmal, als bräuchte es ein Gegengewicht zum Kosmopolitischen, auf schöne Weise schrullig ist.

Besprochen von Meike Feßmann

"Flughafenfische", Rezension in der NZZ

NZZ-Kollegin Angelika Overath macht den Transitraum eines Flughafens zum Handlungsort ihres neuen Romans und verändert damit nachhaltig Sibylle Birrers Blick auf dieses globale Niemandsland. Erzählt wird von einem nach dreißig Ehejahren verlassenen Professor, von einer Fotografin, die des rastlosen Jettens um die Welt müde ist, und von einem einsamen, das riesige Flughafenaquarium betreuenden Aquaristen, deren Wege sich hier kreuzen, erklärt die Rezensentin. Sie ist tief beeindruckt, wie es der Autorin gelingt, diesen Raum poetisch zu verdichten und besonders die symbolische Aufladung des Aquariums als Abbild der menschlichen Gesellschaft findet sie in seiner Komplexität sehr fesselnd. Einzig die Figur des Professors, der sich rauchend in einem Trauermonolog ergeht und zudem als einziger Ich-Erzähler auftritt, scheint Birrer seltsam "leer". Insgesamt aber ist sie begeistert von der poetischen Dichte dieses Romans, der ihr mit dem so zeitlosen und auswechselbaren Transitraum des Flughafens ein "Stück Alltagsbrachland fruchtbar" gemacht hat, wie sie preist.